18.05.2012

Chronik 1888-1988


Die Entstehung unserer Feuerwehr in Bruchköbel:

Nach mehreren größeren Bränden von denen es heißt, das man zur nächtlichen Zeit im benachbarten Hanau einen Kreuzer auf der Straße sehen konnte, beschloss die Gemeinde Bruchköbel 1888 eine neue Saug- und Druckspritze zu kaufen. Vorher gab es solche Gerätschaften zwar schon, jedoch keine Feuerwehr im heutigen Sinn. Mit der Anschaffung der neuen Spritze benötigte man auch gleichzeitig eine entsprechende Mannschaft. Daher wurden von Seiten der Stadt 24 Männer ausgewählt, die dieser Bestimmung nachzugehen sollten. Dieser Pflichtfeuerwehr schlossen sich freiwillig nach kurzer Zeit weitere 14 Männer an. Somit war die Freiwillige Feuerwehr Bruchköbel gegründet. In den folgenden Jahren schwankte die Mitgliederzahl zwischen 40- 50 Mann, bis um etwa 1900 durch einen weiteren Aufruf die Mitgliederzahl auf 105 anstieg. Aufgrund dieses Zuwachses wurde die Feuerwehr in zwei Kompanien eingeteilt. Da man nur eine Saug- und Druckspritze zur Verfügung hatte, musste weiteres Gerät beschafft werden. So kaufte die Feuerwehr aus eigenen Mitteln und mit Spenden der Bevölkerung einen vierrädrigen Überlandwagen für damals 1.775 Mark.

Im Ersten Weltkrieg wurden so viele Kameraden zum Kriegsdienst eingezogen, das eine freiwillige Feuerwehr nicht mehr existierte. Daraufhin wurde das Dorf in zwei Teile geteilt und wieder eine Pflichtfeuerwehr mit zwei Kompanien eingeführt.

Nach dem Krieg konnte mit viel Mühe eine freiwillige Feuerwehr wieder aufgebaut werden. 1922 waren 125 Männer bei der Feuerwehr tätig. 1925 schließlich beschloss man eine Schiebeleiter zu beschaffen.  Die mit 12 Meter Steighöhe und aus zwei Teilen bestehende Leiter wurde von der Stadt Bruchköbel und der Hessischen Brandversicherungsanstalt gekauft.

Aus einer Bestandsmeldung an den Kurhessischen Feuerwehrverband im Juli 1932 ist folgender Ausrüstungsstand erkennbar:

Mitglieder: 105
Leitern: 5
Spritzen: 2
Rettungssack: 1
Maschinelle Leitern: 1
Schläuche: 450m
Schlauchwagen: 2

Noch während der Feier eines Kameradschaftsabends am 14. Mai 1938 wurden die Bruchköbeler Kameraden zu einem Großbrand der “Hanauer Gummischuhwerke” gerufen. Wenige Wochen später brannte in Hanau die Fabrik “Deutsche Klebstoffwerke”. In den nachfolgenden Jahren wird die Wehr modernisiert und ein Motorspritzenfahrzeug beschafft.

Als im Jahre 1939 der Krieg ausbrach, mussten wieder viele Feuerwehrleute den Kriegsdienst antreten. Die Feuerwehr wurde in dieser Zeit der Polizei unterstellt (Feuerlöschpolizei). In der Nacht vom 10. auf den 11. August 1940 gingen zahlreiche Scheunen und Wohnhäuser nach Fliegerangriffen in Flammen auf. Da immer mehr Kameraden zum Kriegsdienst gerufen wurden, mussten Frauen und Mitglieder der HJ mit in die Feuerwehr eingebunden werden. In den nachfolgenden Jahren wurden durch weitere Fliegerangriffe auch Einsätze in anderen Städten im Rhein-Main Gebiet notwendig. Ein besonders großer Schaden entstand der Feuerwehr, als in den letzten Kriegstagen plötzlich das Feuerlöschfahrzeug und ein PKW spurlos verschwanden.

Nach dem Krieg wurden deshalb wieder neue Gerätschaften beschafft und unter Personalnot eine Feuerwehr wieder aufgebaut. Nur dank der neu beschafften Technik war es möglich jetzt mit weniger Personal zu arbeiten. Statt der 40 Mann die zum Bedienen einer Saug- und Druckspritze nötig waren, mussten jetzt nur noch neun Feuerwehrleute für einen Löschwagen zur Verfügung stehen.

Ab 1950 musste man sich mit Unterstellproblemen für die damaligen Gerätschaften herumschlagen. Ebenso benötigte man dringend ein weiteres Löschfahrzeug. Freude kam auf, als im März 1953 das kurz vor dem Kriegsende verschwundene Feuerwehrauto wieder auftauchte. Das Fahrzeug wurde durch Zufall in der nähe von Hof in Bayern entdeckt. Man beschloss das alte Gefährt wieder zurückzuholen und modernisieren zu lassen.

Die Stadt Bruchköbel kaufte 1960 ein Grundstück, auf dem bis zum Jubiläumsjahr 1963 ein neues Gerätehaus gebaut werden sollte.

1962 halten mehrere Großbrände die Bruchköbeler Feuerwehr in Atem. Im Februar brennt die damalige Firma  BBC (heute ABB) in Grossauheim, im Mai ein Zimmergeschäft und Sägerwerk in Bruchköbel und  im Juni brennt eine Scheune in Butterstadt. Im Juli brennen eine Feldscheune in Roßdorf und im August folgt ein großer Waldbrand.

Nach langen Verhandlungen wird 1966 damit begonnen den Platz für ein neues Gerätehaus zu schaffen, dass eigentlich schon 1963 übergeben werden sollte. Die Feuerwehrleute reißen auf dem geplanten Grundstück ein altes Gebäude selbst ab. Dann endlich am 22. April 1967 kann das neue Gerätehaus nach langer Bauzeit an die Feuerwehr übergeben werden.

Das erste Umluftunabhängige Atemschutzgerät wurde Ende 1968 beschafft. Zum ersten mal kamen diese Geräte 1969 bei einem Brand in einem Fotolabor zum Einsatz.

Das Jahr 1970 begann gleich mit einer nachbarschaftlichen Löschhilfe bei einem Großbrand einer Ziegelei in Nidderau- Ostheim. Es folgten Hochwassereinsätze in Maintal Dörnigheim, bei denen die Bruchköbeler Feuerwehrleute für die Bewältigung von teilweise dramatischen Einsätzen eine Auszeichnung erhielt. Erstmals wurde auch in diesem Jahr in der so genannten Brandschutzwoche ein Tag der offenen Tür veranstaltet. Diese Werbeaktion brachte einen Zuwachs von mehr als 200 Mitgliedern!!

Am ersten Januar 1971 brannte die Gaststätte “Am Bärensee” bis auf die Grundmauern nieder. Hier überlebten die Besitzer nur, weil sie von Passanten geweckt worden waren. Am 19. Januar brannte der Sekundarstufenbereich der heutigen Heinrich Böll Schule, wobei auch hier ein großer Sachschaden zu vermelden war. Im selben Jahr wird ebenfalls beschlossen ein neues Löschfahrzeug zu beschaffen. Leider ließen die baulichen Gegebenheiten des Gerätehauses dieses ohne weiteres nicht zu, so dass hier wesentlicher Ausbaubedarf bestand.

Im Januar 1972 wurden die heutigen Stadtteile Niederissigheim, Oberissigheim und Butterstadt zur Großgemeinde zusammengefasst (Roßdorf folgte 1974). Dieser Zusammenschluss hatte auch Auswirkungen auf die Feuerwehren. Im März konnte schließlich das neu bestellte Fahrzeug seiner Bestimmung übergeben werden.

Die Einführung der “Stillen Alarmierung”  wurde 1972 beschlossen.

Das Jahr 1974 war geprägt von 21 Einsätzen alleine auf der Mülldeponie, bei denen die Feuerwehr über 500 Einsatzstunden leisten musste. Ebenso baute man die Stille Alarmierung weiter aus und installierte im Stadtbereich Druckknopfmelder um die Alarmierungsmöglichkeiten weiter zu verbessern.

Bei der Brandschutzwoche im Jahre 1976 wird für die Gründung einer Jugendfeuerwehr geworben. Die Werbung für diese wurde sehr gut unter den Jugendlichen aufgenommen und so schlossen sich zahlreiche Mitglieder an.

1978 wurden die Brandschützer neben zahlreichen Einsätzen auch immer wieder zu böswilligen Alarmen (ausgelöst durch die Druckknopfmelder im Stadtbereich) gerufen. Im gleichen Jahr fand die 850 Jahr Feier der Stadt Bruchköbel statt, an der sich auch die Feuerwehr beteiligte.

Hochwasser traf die Stadt Bruchköbel im Jahr 1981, dabei wurden zahlreiche Keller überflutet und Straßen unpassierbar. Die Feuerwehrleute mussten rund um die Uhr tätig werden.  Im gleichen Jahr erreichte die Zahl der böswilligen Alarmierungen ein unerträgliches Ausmaß.

Die Explosionskatastrophe von Bruchköbel, Februar 1982

Im Februar 1982 traf uns der bislang größte Einsatz in der Geschichte der freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel. Eine Explosionskatastrophe erschütterte am 9. Februar gegen 06:30 die Stadt und das Umland. Die Produktionshalle der Kosmetikfirma Reinelt (Spraydosen, etc..) war durch eine Gasexplosion explodiert. 3 Todesopfer und 17 teilweise schwer verletzte Personen waren zu beklagen. Sämtliche Häuser und Gebäude in der Umgebung wurden schwer beschädigt oder zerstört. Nach unmittelbarer Information an den Landrat wird Katastrophenalarm ausgelöst. Im Rathaus wird eine Katastrophenleitstelle eingerichtet, welche permanent zur Einsatzleitung vor Ort Funkkontakt hält. Zur Schadensbekämpfung , Bergung, Versorgung und Aufräumung waren ca. 560 Personen von folgenden Organisationen eingesetzt:

Feuerwehren: Bruchköbel, Roßdorf, Nieder- und Oberissigheim, Butterstadt, Hanau- Mitte und Stadtteile, die Feuerwehren aus Erlensee, Nidderau und das Fire Department der US- Army.

Rettungsdienste: DRK Bruchköbel, Ortsansässige Ärzte

Andere Helfer: Technisches Hilfswerk, Bundeswehr, Polizei, Militärpolizei, Städtischer Bauhof und Verwaltung, Rettungshundestaffel, Hubschrauberstaffel und Privatfirmen.

Schaden: Durch die Explosion wurde der Gesamte Produktionsbetrieb vollkommen zerstört. Im Umkreis von 500 Metern wurden 1.500 Häuser stark beschädigt. Sämtliche Scheiben gingen zu Bruch. Der Sachschaden belief sich auf 13,3 Mio. DM.

Im Oktober 1984 endlich wurden die vor etwa Zehn Jahren aufgestellten Druckknopfmelder abgebaut. Den 150 Fehlalarmen standen gerade einmal drei Einätze gegenüber.

Das Jahr 1985 beginnt mit einem größeren Einsatz. In einer Reinigung gab es eine Explosion. Erinnerungen an die Explosionskatastrophe von 1982 wurden wieder wach. Glücklicherweise ist nur Sachschaden zu vermelden. Im gleiche Jahr wird unser ELW (Einsatzleitwagen) in den Dienst genommen.

– An dieser Stelle enden die wichtigen Einträge in der Chronik aus dem Jubiläumsjahr 1988 –